Arantzazu Saratxaga Arregi

SoSe26 Seminar, abk Stuttgart: „Prozessualität der Form: Grundzüge einer generativen Formtheorie“

Das Seminar untersucht das „Generative“ als ästhetischen Leitbegriff mit besonderem Fokus auf die Form. Im Zentrum steht die Frage, wie Form im Kontext generativer Prozesse entsteht und wie sich dieses Entstehen beobachten, denken und zur Sprache bringen lässt. Generative Kunst verschiebt die Aufmerksamkeit vom abgeschlossenen Werk auf den Prozess der Hervorbringung von Bild- und Strukturformationen. Form erscheint dabei nicht als Abbild oder Repräsentation einer Idee (eidos), sondern als emergente Gestalt, die sich im Vollzug komplexer Prozesse konstituiert.

Ausgehend von einer kritischen Analyse hylemorphistischer und substanzontologischer Formkonzeptionen – Form als eidos oder als die Materie (hylé) in-formierende Idee – entwickelt das Seminar eine nicht-repräsentationale und relationale Theorie der Form. Form wird als situierte Stabilisierung komplexer Prozesse verstanden: als Muster, das aus Rückkopplung, Resonanz und Wechselwirkung hervorgeht. Sie ist keine statische Struktur, sondern eine zeitlich gebundene, dynamische und „merkende“ Konfiguration innerhalb komplexer Systeme. Form erscheint somit als emergentes Ereignis, das sich im Verlauf der Zeit transformiert. Reflektiert werden eine Ästhetik des Verschwindens, der Instabilität und der Transformation ebenso wie Gestaltung als Ermöglichung von Emergenz.

Theoretisch verbindet das Seminar philosophische Perspektiven (Differenzphilosophie, Systemtheorie, Phänomenologie, feministischer Materialismus) mit ästhetischen Theorien, insbesondere der generativen Ästhetik, sowie mit Bezügen zur ästhetischen Gestalttheorie (Rudolf Arnheim). Ergänzend werden kunst- und medienhistorische Positionen einbezogen: im Kontext generativer Gestaltung George Nees, Frieder Nake und Manfred Mohr, im Feld generativer Kunst Herbert W. Franke. Darüber hinaus werden Referenzen zum Konstruktivismus, zur Konkreten Kunst, zum Bauhaus, zur Lichtkunst (László Moholy-Nagy), zur Netzwerkkunst sowie zu Arbeiten von Victor Vasarely, Gerhard von Graevenitz, Herman de Vries und Myron Krueger hergestellt.

  • Präsentation
    15.05. (14:00–19:00)
  • Form und Eidos und ihre Dekonstruktion
    22.05. (14:00–19:00)
  • Prozesualität der Form – Gestalttheorie in der Kunst & Paradoxien der Form
    28.05. (14:00–19:00)
    29.05. (10:00–20:00)
    30.05. (14:00–19:00)
  • Generative Kunst & Generative Ästhetik
    11.06. (14:00–19:00)
    12.06. (10:00–20:00)
    13.06. (14:00–19:00)
  • Schluss
    26.02. (14:0 – 19:00)