Das Matrixiale

Das Matrixiale als philosophische Kategorie

Saratxaga Arregis unmittelbarer Bezug zur baskischen Sprache entfremdete sie der lateinischen, indoeuropäischen Sinnenwelt. Sie begab sich auf die Suche, um das den Vorgriechen zugewiesene Reich der Mutter zu verfolgen. Begegnungen mit dem Hermeneutiker Andrés Ortiz Osés und dem Künstler Jorge Oteiza waren entscheidende Stationen auf diesem Weg. Der Philosoph hatte das baskische präindoeuropäische Weltbild mit der Archetypenlehre C.G. Jungs in Einklang gebracht und der Künstler entwickelte im Rahmen seiner baskischen etymologischen Forschungen eine metaphysische und religiöse Ästhetik, deren plastischer Ausdruck die Leere war. Saratxaga Arregi setzte ihr philosophisches Studium bei dem Philosophen Eugenio Trías Sagnier fort, in dessen Grenzphilosophie das Matrixiale das unheimliche Substrat einer logozentrischen Metaphysik darstellt. Aus der Frage eines solchen Zusammenhangs folgte ihre Masterarbeit über die in der Romantik dem Reich der Mütter zugewiesene negative Ästhetik, die sich im zweiten Teil von Goethes Faust zuspitzt.

Die Übersiedelung nach Deutschland stellte das Projekt in ein neues Licht. Saratxaga Arregi begegnete der gynäkologischen Philosophie Peter Sloterdijks, deren gnostische Spur einer negativen Phänomenologie der intrauterinen Sphäre sie dazu anregte, das Matrixiale inmitten einer Deontologisierung der Weltlichkeit zu platzieren. Hierfür war die Berührung mit der kybernetischen Lehre einer zirkulären Epistemologie und mehrwertigen Logik von großer Bedeutung.

Derzeit beschäftigt Saratxaga Arregi sich mit der Entwicklung der matrixialen Kategorie im Rahmen der Untersuchung selbstorganisierter Musterbildungen, selbstorganisierender Nischentechniken, generativer prozesshafter Bildungskräfte in operationell geschlossenen Systemen, einer Phänomenologie des Endomilieus und einer Diskursanalyse der symbolischen Ordnung der Mutter im Rahmen der Kulturbindung.

Projekte

01.2019 – 30.2020
The Dissident Goldesse´s Network

05.2017 – 07.2017
„Die Figur der Mutter in der Medientheorie Friedrich Kittlers“ (Deutsche Literatur Archiv, Marbach)

01.2015 – 03.2015
„Mehrwertigkeit einer matrixialen Symbolik“ (Goethegesellschaft, Weimar)

Vorträge

2020

„Öko-Imanenz des Matrixialen“. Tagung: At THE SUMMIT. Akademie der bildenden Künste, Wien.

2019

„Maternal Features as sign of loss and as Pharmakon“. Gastvortrag: The Royal Danish Academy of Fine Arts School, Copenhagen

„For a Hermeneutic of Venus-Phylum-Figurines I. Signs of maternal demarcation: The Pharmakon of the Matrix“. Internationales Symposium: Zeitgenössische Vorgeschichten -Mutter, Göttinnen. The Dissident Goddesses´Network, Akademie der bildenden Künste, Wien

„Entwurf einer matrixialen Philosophie“. Vortrag: The Dissident Goddesses Lecture #1 Akademie der bildenden Künste, Wien.

2018

„The female, thet doesn´t exist: A gender persepctive from the point of view of a matrixial philosophy“. Gastvortrag/Workshop Oporto Unviersität, Portugal

Publikationen

2022

Matrixiale Philosophie. in: Perspektiven der Philosophie, Jahrbuchband 2022.

Matrixial Symbolism, in the Basque Pre-Indo-European Worldview. in:  Matrix: a Journal for Matricultural Studies, Vol. 3 Issue 1

2021

The Matrixial, a philosophical category, in: De Philosophia, Vol. 1

The Matrixial Dialectic, in: Journal of Comparative Literature and Aesthetics, special Issue “Immaterial and Material Discourse”, Vol. 44, No.4.

Allometrische Kunst, in: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft

“The Mother´s Mouth as a Media Pharmacology”, in: Media Theory, special issue Pharmacologies of Media 5/1

2019

Eine systematische Einführung einer matrixialen Philosophie: Mutter-Welt- Gebärmutter: Zu einer dreiwertigen Ontologie. Bielefeld. Transcript. 330 pp.